Zwei Hamburger Pfadfinderinnen von Abschiebung bedroht

Kinder und Jugendliche des Pfadfinder- und Pfadfinderinnenbundes Nord protestieren gegen die drohende Abschiebung zweier Gruppenmitglieder nach Honduras

Hamburg, 26.11.2012. Gerade waren Maria und Andrea noch mit ihren Jugendgruppen auf Herbstfahrt unterwegs. Die elf- und 13-jährigen Mädchen sind seit mehreren Jahren Mitglied im Pfadfinder- und Pfadfinderinnenbund Nord in Hamburg und tragen stolz blaues Hemd und blau-weißes Halstuch. Aber in Kürze sollen sie nicht nur alle ihre Pfadfinderfreundinnen, sondern auch ihre Heimat Hamburg verlassen: Die beiden Mädchen, ihre ältere Schwester Fabiola und ihre Mutter Gabriela Cruz sollen nach Honduras abgeschoben werden. Die letzte Hoffnung der Familie ist die Härtefallkommission der Hamburgischen Bürgerschaft, die am 6.12.2012 über ihren Fall entscheidet. „Wir appellieren an die Kommission, unsere Pfadfinderfreunde nicht aus unseren Gruppen zu reißen“, sagt Johanna Griffel, Leiterin des Pfadfinder- und Pfadfinderinnenbundes Nord, „Maria und Andrea gehören zu uns.“

Die Ausländerbehörde hat die Abschiebung der Familie Cruz verfügt, weil die Mutter 2006 ohne die nötigen Aufenthaltspapiere in Deutschland geblieben war. Vor kurzem stellte Gabriela Cruz einen Antrag für eine Aufenthaltsgenehmigung, der abgelehnt wurde. Gabriela Cruz hat ihre Familie in Hamburg mit viel Unterstützung über Wasser gehalten und sich sehr darum bemüht, sich und ihre drei Töchter in die deutsche Gesellschaft zu integrieren: Die ältere Tochter steht kurz vor dem Abitur, die beiden jüngeren gehen ebenfalls zur Schule und sind seit Jahren begeisterte Pfadfinderinnen. Die 14-jährige Andrea hat bereits die erste Stufe der Ausbildung zur Jugendgruppenleiterin absolviert. In zwei Jahren möchte sie selbst eine Gruppe für jüngere Kinder leiten. An Honduras haben die beiden jüngeren Mädchen kaum Erinnerungen – ihre Heimat ist Hamburg.

„Die Gesellschaft braucht doch dringend engagierte Jugendliche“, sagt Jugendgruppenleiterin Johanna Griffel, „warum werden dann junge Menschen weggeschickt, die hier aufgewachsen sind und die uns allen wichtig sind?“ Die Pfadfinder fürchten in Honduras auch um die Sicherheit ihrer Freundinnen: Das mittelamerikanische Land hat eine extrem hohe Kriminalitätsrate, junge Mädchen sind besonders gefährdet und können sich kaum in der Öffentlichkeit aufhalten.

Am 3.12. werden die Pfadfinder gemeinsam mit Schülern der Max-Brauer-Schule und anderen Hamburgern für die Familie demonstrieren und der Härtefallkommission gesammelte Unterschriften übergeben. „Wir kommen in Pfadfinderkluft, mit Gitarren und Liedern, um zu zeigen, dass wir zusammen gehören, egal woher jemand kommt“, sagt Pfadfinderin Johanna Griffel.

Informationen über den Pfadfinder- und Pfadfinderinnenbund Nord:
Der Pfadfinder- und Pfadfinderinnenbund Nord (PBN) ist mit 800 Mitgliedern einer der großen Jugendverbände in Hamburg und anerkannter Träger der freien Jugendhilfe. Er arbeitet interkonfessionell, überparteilich und ist unabhängig von Erwachsenenverbänden – die Altersspanne beträgt neun bis 25 Jahre. Die Mädchen und Jungen sind in Gruppen von acht bis zehn Kindern organisiert, die über mehrere Jahre zusammen bleiben und zu einer festen Gemeinschaft heranwachsen. Alle jugendlichen Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter organisieren ehrenamtlich wöchentliche Treffen, drei- bis mehrwöchige Fahrten und das jährliche Lager mit allen Mitgliedern. Die Heime der 15 Ortsgruppen („Stämme“) verteilen sich übers gesamte Stadtgebiet: sie sind zu finden in Marmstorf, Poppenbüttel, Niendorf, Wellingsbüttel, Ohlsdorf, Hamm, Barmbek-Nord, Barmbek-Süd, Volksdorf, Lurup und Sasel. Der PBN ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Hamburger Pfadfinderverbände (AHP) und des Deutschen Pfadfinderverbandes (DPV).

Kontakt

Johanna Griffel, (Leiterin des Pfadfinder- und Pfadfinderinnenbundes Nord, 22 Jahre), Tel. 0176 995 69378